Während es absolut kein Problem darstellt, WordPress in praktisch jeder beliebigen Sprache zu installieren/betreiben, fehlt dem System von Haus aus bisher (Stand 2015) leider die Fähigkeit, Besucherinnen und Besuchern mehrere Frontend-Sprachen zur Auswahl anzubieten.

Diese Einschränkung stellt gerade für europäische Projekte oft ein beträchtliches Manko dar. Immerhin haben wir in vielen Ländern sogar mehr als eine Amtssprache. Die fehlende Mehrsprachigkeit von WordPress kann einerseits dadurch umgangen werden, dass schlichtweg ein anderes System für die Website gewählt wird, zum Beispiel Drupal.

Aber was, wenn WordPress bei objektiver Betrachtung aller anderen Faktoren trotzdem die Plattform der Wahl darstellt? Für diesen Fall stehen mehrere mögliche Strategien zur Verfügung:

1) Eine WordPress-Instanz pro Sprache

Es ist kein Problem, unter einer Domain mehrere WordPress-Installationen parallel zu betreiben. Am Beispiel einer deutschsprachigen Seite mit Italienisch und Französisch als zusätzlichen Angeboten könnte das so aussehen: Die deutschsprachige „Hauptseite“ liegt unter „www.musterdomain.com“, die beiden Unterseiten unter „www.musterdomain.com/fr/“ und „www.musterdomain.com/it/“. Oder so ähnlich.

Selbstverständlich könnten auch alle Sprachen gleichberechtigt in Subfoldern liegen, dann benötigt man allerdings eine Splash-Seite im Hauptfolder, welche die Besucherinnen und Besucher entweder automatisiert auf eine Sprache weiterleitet, oder eine entsprechende Auswahl anbietet.

Diese Lösung hat unter anderem einen sehr gravierenden Nachteil: Es gibt normalerweise keine Verbindung zwischen den einzelnen Sprachenseiten. Datensätze (etwa registrierte Benutzerinnen und Benutzer, oder die Einträge in einem Event-Management) werden standardmäßig in verschiedenen Datenbanken gespeichert und nicht miteinander abgeglichen. Es besteht zwar die Möglichkeit, eine Multi-Site Installation so einzurichten, dass bestimmte Daten geteilt werden, diese Lösung ist aber kompliziert und fehleranfällig.

2) Plugins

WordPress ist berühmt dafür, dass es für praktisch alles ein Plugin gibt. Egal in welche Richtung man das System erweitern möchte, die Chance dass bereits eine Lösung existiert ist ziemlich groß. Allerdings besteht natürlich mit jeder zusätzlichen Erweiterung die Gefahr, dass es zu Konflikten zwischen den einzelnen Modulen kommt. Was leider manchmal zu schwer nachvollziehbaren bzw. lokalisierbaren Fehlern im Betrieb führt.

Nichtsdestotrotz sind Plugins derzeit die wohl verbreitetste Lösung, um WordPress mehrsprachig zu machen. Zur Auswahl stehen sowohl kostenlose Erweiterungen, wie auch „Premium“-Angebote deren Nutzung nur gegen Bezahlung möglich ist.

Die bekanntesten und am meisten verwendeten Multilanguage-Plugins sind derzeit Polylang und WPML. Polylang ist kostenlos und gehört mit mehr als 100.000 aktiven Installationen zur Gruppe der meistverwendeten freien Plugins. Im Gegensatz dazu ist WPML kostenpflichtig. Wie viele Seiten WPML tatsächlich einsetzen, kann man natürlich nur schwer überprüfen. Laut Hersteller soll es aber mit rund 400.000 Installationen noch weit verbreiteter sein als Polylang.

Im grundlegenden Funktionsumfang (Übersetzung von Posts, Seiten, Widgets,…) bleiben sich die beiden Varianten nicht viel schuldig. Der Vorteil von WPML liegt hauptsächlich in der Tatsache, dass der Hersteller natürlich schneller auf Kundenprobleme reagieren kann als ehrenamtliche Entwickler und auch viel mehr Support bietet. Auch in besonders komplexen Anwendungsszenarien sowie im Umgang mit automatischen Übersetzungen (z.B. durch ein externes Übersetzerservice) hat WPML tendenziell die Nase vorne.

Dafür wirkt sich der Einsatz von Polylang aber (da kostenlos) doch Merklich auf das Projektbudget aus. Mit einmaligen Anschaffungskosten von 195,- Dollar für die unbegrenzte Lizenz, oder 79,- Dollar für eine zeitlich begrenzte Nutzung, deren jährliche Verlängerung dann jeweils mit 39,- Dollar zu Buche schlägt, gehört WPML mit zu den teuersten kommerziellen Plugins überhaupt.

Die hier genannten Wege, WordPress mehrsprachenfähig zu machen, stellen nur die am häufigsten genutzten Varianten dar. Daneben gibt es auch noch eine Vielzahl anderer Lösungen, welche teilweise (vielleicht zu Unrecht?) ein Nischendasein führen. Sind Sie mit Ihrer Website vielleicht einen anderen Weg gegangen? Wie sind Ihre Erfahrungen mit mehrsprachigen Installationen? Wir würden uns über entsprechende Kommentare sehr freuen!