Kurz gesagt: Ja, verschiedene Farben haben immense Auswirkungen darauf, wie sich die Besucherinnen und Besucher einer Seite verhalten. Sie beeinflussen das Vertrauen in eine Information, die Stimmung und viele andere Faktoren.

Allerdings hat die Sache einen Haken. Forschungsergebnisse der letzten Jahre zeigen nämlich, dass unsere Reaktionen auf die Farbgebung nicht so ohne weiteres universell festzumachen sind. Welche Wirkung Farben haben, unterscheidet sich häufig nicht nur von Mensch zu Mensch, sondern auch bei ein und demselben Individuum je nach Tageszeit, aktueller Laune, Kontext des Seitenbesuches, etc.

Es gibt also leider keine von vornherein ideale Farbgebung für Webdesigns. So etwas funktioniert heute genau so wenig, wie damals um 1960-70, als alle Schulen in den grässlichsten Orangetönen ausgemalt wurden, weil so etwas angeblich die Lernfähigkeit fördern sollte.

Eine Möglichkeit, sich den gezielten Einsatz von Farben nutzbar zu machen, gibt es allerdings. Das Menschliche Gehirn liebt es nämlich, Dinge miteinander in Beziehung zu setzen. Wir suchen ganz automatisch nach Zusammenhängen, auch dort wo es eigentlich keine gibt.

Haben wir einmal eine Farbe bestimmten Zusammenhängen zugeordnet, dann reagieren wir mit positiven Emotionen auf die Bestätigung unserer Annahmen. Wird unser Verständnis der „korrekten“ Zusammengehörigkeit gestört, neigen wir dagegen zu Ablehung und Misstrauen.

Die meisten Menschen verbinden zum Beispiel die Farbe Grün mit Natur und Ökologie. Webseiten, welche sich mit diesen Themen auseinandersetzen tun gut daran, diese Tatsache zu beachten. Der gezielte Einsatz von Natur- und Erdfarben wird bei einer überwiegenden Mehrzahl der Besucherinnen und Besucher positiv aufgenommen werden.

Kommt unser Beispiel-Webportal stattdessen in knalligen Pinktönen oder tiefstem Schwarz daher, sind erhebliche Verluste bei der Retention von Userinnen und Usern, sowie beim Vertrauen in die präsentierten Informationen vorprogrammiert.

Es lohnt sich also bei der Wahl eines Designs, vorher möglichst genau zu erforschen, welche Assoziationen die eigene Zielgruppe hat und welche Farben damit möglicherweise in Verbindung stehen. Lässt sich das durch Recherche nicht eindeutig festmachen, dann empfiehlt sich intensives A/B-Testing mit verschiedenen Farbgebungen.